Kinderschutz: Was diese Gelsenkirchener Schulen bundesweit einzigartig macht
Gelsenkirchen. Gelsenkirchener Gesamtschule startete bundesweit einzigartiges Kinderschutzprojekt – das nun schon an weiteren Schulen der Stadt umgesetzt wird.
„Sicherer Hafen“ für Kinder: In Gelsenkirchen fiel jetzt der Startschuss für eine bundesweit einmalige Aktion zum Thema Kinderschutz. Die Kinder der Friedrich-Grillo-Grundschule haben ihren Teil dazu beigetragen. Ob zur Schule, zum Sportverein, zu Freunden oder anderen Hobbys: Gelsenkirchens Kinder sind jeden Tag aufs Neue unterwegs – egal ob zu Fuß, mit dem Roller oder mit dem Rad. Bei aller Alltäglichkeit und der damit verbundenen Forderung nach Selbstständigkeit kann es vorkommen, dass Kinder in Situationen geraten, in denen sie sich unsicher fühlen, vielleicht sogar Angst haben und konkrete Hilfe brauchen.
Deutschlandweit einzigartiges Projekt: Gesamtschule wird zum sicheren Hafen für Kinder
Genau hier greift ein bundesweit einzigartiges Projekt ein, das in Gelsenkirchen, genauer an der Gesamtschule Buer-Mitte (GBM) seinen Anfang nahm und nicht nur in Gelsenkirchen, sondern am besten noch in ganz Deutschland ausgerollt werden soll: Ganz offiziell wird die GBM am Samstag, 22. November, zum „Sicheren Hafen“ ernannt werden. Zuvor hatte es an der Gesamtschule eine Pilotphase in Sachen Kinderschutz gegeben. Im ersten Schritt wurde die GBM im Januar dieses Jahres zur „Kinderschutzinsel“.
Die Idee der Kinderschutzinseln stammt nicht aus der Emscherstadt, es ist vielmehr das aktuelle Leuchtturm-Projekt der Kinderschutzallianz, einer Organisation, die vom niedersächsischen Innenministerium getragen wird. Besagte Kinderschutzinseln bieten seit geraumer Zeit niederschwellige Hilfe für unsichere Kinder und Jugendliche auch in Gelsenkirchens Quartieren: Geprüfte Geschäfte, Betriebe und öffentliche Einrichtungen, wie beispielsweise Büchereien, werden zu Anlaufstellen – gekennzeichnet durch offizielle Aufkleber, angebracht an Schaufenster oder Eingangstüren.
chüler der GBM werben für Kinderschutzinseln
Während der Pilotphase an der GBM ging es aber noch weiter und über die Einrichtung einer Kinderschutzinsel hinaus – denn Kinderschutz sollte langfristig in den Schulalltag integriert sein und werden. Eine Idee: Ältere Schülerinnen und Schüler schlüpfen in die Rolle von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und erklären nicht nur den Jüngeren, worum es bei dem Angebot der Kinderschutzinseln geht. Über die Schultore hinweg hatten sich die GBM-Schüler ebenfalls engagiert – indem sie beispielsweise im Stadtteil unterschiedliche Lokale, Läden oder Anlaufpunkte ansprechen, ob sie nicht zu Kinderschutzinseln in Buer werden möchten.
Ganz grundsätzlich steht dieser Gedanke über allem Handeln: Kinder brauchen leicht zugängliche Hilfe und ein Umfeld, das ihnen Sicherheit vermittelt. Warum also nicht die Akteure vor Ort einbinden, die die Kinder in den meisten Fällen kennen, mit denen sie vertraut sind. An der GBM als „sicherer Hafen“ geht es nun um Prävention und Bildung vor Ort: Vom Nollenpad 9 ausgehend wird die GBM zu einem Zentrum, an dem nicht nur die Sicherheit von Kindern großgeschrieben wird, sondern auch das Engagement für Kinder und Jugendliche schulintern gefördert wird und nach außen wirken soll.
Weitere Gelsenkirchener Schulen setzen auf Kinderschutz
Doch nicht nur die GBM ist ein sicherer Hafen, es gibt noch weitere Schulen in Gelsenkirchen, die dieses Siegel (bald) tragen dürfen: die Förderschule Bergmannsglück, die Friedrich-Grillo-Grundschule, die Leythe-Schule (Gemeinschaftsgrundschule) und die Gesamtschule Erle. An letzterer fand kürzlich auch eine große Veranstaltung in der Aula unter Beteiligung der einzelnen Schulen statt, die klarmachte: Es haben sich nun also schon weitere Schulen in Gelsenkirchen auf den Weg gemacht, um besonders den niederschwellig angelegten Kinderschutz in dieser Stadt voranzubringen.
Eigentlich steckt hinter dem Kinderschutz-Projekt made in Gelsenkirchen eine simple Idee: Die Kinder sollen zu „aktiven Gestaltern ihrer eigenen Sicherheit werden“, so die Gelsenkirchener Organisation „KiJuTe“ (kurz für Kinder, Jugend, Teilhabe), mitverantwortlich für die Ausgestaltung. „Durch ein altersgerechtes Kindersicherheitskonzept realisieren wir Projekte im schulischen und nachmittäglichen Bereich, schulen das Gefahrenradar, stärken die sozialen Kompetenzen und schaffen neue Sozialräume“, heißt es auf der Homepage. Ganz praktisch handelt es sich bei dem Konzept um Sicherheitsschulungen und -kurse, bei denen Kinder angeleitet werden, Gefahren zu erkennen und im Fall der Fälle richtig reagieren zu können.
„Wir reden alle darüber, dass unsere Schülerinnen und Schüler Menschen brauchen, die an sie glauben“, betonte GBM-Schulleiterin Ulrike Purz auch während der Veranstaltung an der Gesamtschule Erle – das Konzept des sicheren Hafens habe sie davon überzeugt. Sie fügt hinzu: „Wenn wir uns damit an den Start begeben, dann ist das für alle Beteiligten genau das richtige.“ Und weiter: „Ich bin ungemein stolz und vor allem glücklich, dass die GBM Vorreiter sein darf.“
Kinderschutz-Maskottchen Basko stärkt Vertrauen
Um eine leichtere Erkennbarkeit rund um den Kinderschutz zu schaffen, darf ein Maskottchen natürlich nicht fehlen: Es trägt den Namen Basko und ist dem einst echten Diensthund von Denis Wieser nachempfunden, vielmehr nachgezeichnet. Denis Wieser ist nicht nur einer der Initiatoren der groß angelegten Kinderschutz-Aktion, Teil von KiJuTe, sondern auch ehemaliger Polizist. Er ist überzeugt davon, dass sein „Herzens-Diensthund“ Basko Vertrauen und eine hohe Identifikation schaffen kann. Gleichzeitig wird das Angebot vervollständigt durch eine App, die unter anderem mithilfe von Erklärvideos zentrale Informationsquelle weit über die Grenzen Gelsenkirchens hinaus sein soll.
Die Gesamtschule Buer-Mitte veranstaltet ihren Tag der offenen Tür am Samstag, 22. November, von 9 bis 13 Uhr. Die GBM wird an diesem Tag offiziell zum „Sicheren Hafen“ ernannt. Auch die Gesamtschule Erle wird am Samstag, 22. November, von 11 bis 14 Uhr, ihren Tag der offenen Tür veranstalten und offiziell zum „Sicheren Hafen“ ernannt werden.
Weitere Infos zur Kinderschutzallianz, dem sicheren Hafen, den Kinderschutzinseln und KiJute gibt es im Netz unter kinderschutzallianz.org oder unter kijute.de







































Kommentar schreiben