CAST
Heribert Bräsemann Hape Kerkeling
Torsten Pfaff Christoph Maria Herbst
Erol Oturan Fahri Yardim
Melanie Pfaff Anja Knauer
Matthias Scholz Friedrich Mücke
Elisabeth Scholz Gaby Dohm
Hans Günther Schnippering Milan Peschel
Anne Ackermeier Katrin Röver
Heinz Gumberger Patrick Joswig
Laura Zopf Marlene Markt
Peter Lohr Andreas Windhuis
Sabine Stortz Malene Becker
und als Koch Stefano Zarrella
CREW
Regie Marcus H. Rosenmüller
Produzent Robert Marciniak
Producerin Annalena Frieling
Drehbuch/ Vorlage des Theaterstücks Dietmar Jacobs & Moritz Netenjakob
Ko-Produzent:innen Philipp Budweg, Sandrine Mattes, Hooman Afshari, Lutz Rippe
Creative Producer Joseph M‘Barek
Redaktion ARD Degeto Sebastian Lückel, Christoph Pellander
Kamera Daniel Gottschalk
Schnitt Andrea Mertens
Filmtonmeister Michael Vetter
Musik Gerd Baumann
Casting Franziska Aigner
Szenenbild Michael Binzer
Kostüm Anke Winckler
Maske Christina Neuss
Herstellungsleitung Nadia Homri, Thomas Blieninger, Jochen Gottlöber
TECHNISCHE DATEN
Lauflänge: 98 Minuten
Bild: 2,39:1 (Scope), 4K
Ton: 5.1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
KURZINHALT
Eigentlich ist es reine Formsache: Heribert (Hape Kerkeling), langjähriger Vorsitzender des Tennisclubs Lengenheide, und sein ehrgeiziger Stellvertreter Matthias (Friedrich Mücke) lassen über die Anschaffung eines Grills für die nächste Vereinsfeier abstimmen. Der hippe Werbetexter Torsten (Christoph Maria Herbst), von Berlin in die Provinz ausgewandert, haut noch einen flotten Spruch raus, damit die dröge Versammlung ein
schnelles Ende findet. Da schlägt seine Frau Melanie (Anja Knauer) vor, für ihren Doppelpartner Erol (Fahri Yardim), dem einzigen muslimischen Mitglied des Vereins, einen zweiten Grill zu kaufen. Denn gläubige Muslime dürfen ihre Grillwürste bekanntlich nicht auf einen Rost mit Schweinefleisch legen. Die gut gemeinte Idee führt Satz für Satz zu einem turbulenten Schlagabtausch, bei dem Atheisten und Gläubige, Deutsche und Türken, Gutmenschen und Hardliner frontal aufeinanderprallen. Schnell wird allen klar: Es geht hier um viel mehr als einen Grill…
PRESSENOTIZ
Eines der witzigsten und erfolgreichsten Theaterstücke der letzten Jahre kommt auf die große Leinwand:
Regisseur Marcus H. Rosenmüller („Pumuckl und das große Missverständnis“, „Trautmann“) inszenierte den Bühnenhit der Comedy-Autoren Dietmar Jacobs („Stromberg“, „Pastewka“) und Moritz Netenjakob („Stromberg“, „Ladykracher“) mit einem brillanten Ensemble. Erstmals standen Hape
Kerkeling („Der Boandlkramer und die ewige Liebe“, „Kein Pardon“) und Christoph Maria Herbst („Der Buchspazierer“, „Der Spitzname“) gemeinsam vor der Kamera. In weiteren Rollen sind Fahri Yardim („jerks“, „Schock“), Anja Knauer („Pumuckl und das große Missverständnis“) und Friedrich Mücke („Das Kanu des Manitu“, „Ballon“) sowie Gaby Dohm („Die Schwarzwaldklinik“) und Milan Peschel („Beckenrand Sheriff“, „Doppelhaushälfte“) zu sehen. Herausgekommen ist eine respektlose Komödie, in der die Pointen fliegen wie sonst nur die Tennisbälle! EXTRAWURST ist eine Produktion von LIEBLINGSFILM („Rubinrot“, „Beckenrand Sheriff“, „Trautmann“) und STUDIOCANAL („Woodwalkers“, „Der Buchspazierer“) in Ko-Produktion mit ARD Degeto Film und wird von der Film- und Medienstiftung NRW, der Filmförderungsanstalt FFA, dem FilmFernsehFonds Bayern und der Nordmedia gefördert.
ÜBER DIE PRODUKTION
DIE ZÜNDENDE IDEE
Vom Elternabend auf die Bühne
Elternabende sind für die meisten Väter und Mütter eine leidige Pflichterfüllung in der Schulzeit ihrer Kinder. Doch für Comedy-Autor Dietmar Jacobs sollte ein Elternabend an der Schule seiner Töchter weitreichende Folgen haben: „Es wurde ein kleines Schulfest organisiert. Dabei kam kurz die Frage auf: Was machen wir mit den Würstchen für die türkischen Familien, die als gläubige Muslime und Muslimas kein Schweinefleisch
essen?“, erinnert sich Dietmar Jacobs. Die Antwort folgte schnell: „Ein türkischer Vater meinte, das sei gar kein Problem. Man würde einfach den eigenen Grill mitbringen.“ Diskussion beendet. Auf dem Heimweg ging Dietmar Jacobs ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf: „Was wäre passiert, wenn das Thema nicht so schnell abgeräumt worden wäre, sondern eine große Diskussion entfacht hätte?“ Das Szenario schilderte er einem anderen Comedy-Autoren: „Moritz Netenjakob hat in eine türkische Familie eingeheiratet. Er war gleich entzündet und schlug vor, dass wir mit diesem Ansatz ein Theaterstück schreiben!“ Warum? „Seit Jahren erleben wir, wie die Debattenkultur in Deutschland den Bach runtergeht“, betont Moritz Netenjakob. „Theoretisch hätte beim Elternabend diese kleine Frage ausufern und eskalieren können. Das ist für uns Autoren die Basis für richtig viel Spaß, allerdings vor einem ernsten Hintergrund. Ich denke, EXTRAWURST ist zu 80 Prozent Komödie und zu 20 Prozent Drama.“ Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob trafen sich zum Brainstormen und Schreiben im Café Wahlen in Köln: „Das ist eines unserer letzten echten Oma-Cafés“, sagt Moritz Netenjakob. Die spießig-gutbürgerliche Atmosphäre war wie geschaffen, um die Figuren, Konflikte und Weltanschauungen zu entwickeln, die für die Mitgliederversammlung eines kleinstädtisch-provinziellen Vereins typisch sind. „Wir haben einen Tennisclub gewählt, weil er das Grundsetting der bürgerlichen alten Bundesrepublik widerspiegelt“, sagt Dietmar Jacobs. „In diesem Umfeld lässt sich sehr gut darstellen, wie Kleinigkeiten hochkochen.“ Das Theaterstück EXTRAWURST wurde 2019 uraufgeführt und avancierte schnell zu einem der erfolgreichsten und meistgespielten Stücke auf deutschen Bühnen. „Es trifft den Nerv, weil es ein Abbild der Gegenwart ist“, sagt Dietmar Jacobs. „Man trifft Freunde, man trifft sich in irgendeiner Gruppe und plötzlich kommt eine politische Diskussion auf. Dann separieren sich die Meinungen. Es entstehen Mini-Bubbles, es fallen Masken, und obwohl man sich eigentlich gut versteht, kommt es zum Streit, den man nicht mehr stoppen kann.“ Moritz Netenjakob ergänzt: „EXTRAWURST zeigt, wie sich eine anfangs völlig harmlose Diskussion in kurzer Zeit verselbstständigt und in einer Schlacht enden kann.“ Radikalismus und Rassismus inklusive. Die Besonderheit des Theaterstückes ist, dass sich das Publikum in die Diskussion einbringen kann. Niemand muss sich oder seine Meinung verstecken, jeder darf am Ende abstimmen, ob ein zweiter Grill für die kleine Minderheit angeschafft wird, ob also der türkische Tennisspieler Erol seine „Extrawurst“ bekommt. Die Berliner Morgenpost schrieb: „Der Abend macht großen Spaß, weil er bei aller Überzeichnung vor allem eins ist: erschreckend wahr.“
GRÖSSER, TIEFER, WEITER
Die Entstehung des Drehbuchs
Erfolgreiche Theaterstücke und erfolgreiche Bücher haben etwas gemeinsam: Früher oder später werden Filmproduzent:innen auf die erprobten Stoffe aufmerksam. So häuften sich die Anfragen auch bei Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob. Doch richtig ernst wurde es für die zwei Autoren erst, als sich die Münchner Produktionsfirma Lieblingsfilm GmbH bei ihnen meldete, zu deren Gründern auch der Regisseur Marcus H. Rosenmüller gehört. „Da wir Riesenfans vom Rosi sind, waren wir uns sofort einig, dass wir auf jeden Fall mit dieser Firma über eine Verfilmung sprechen möchten“, sagt Moritz Netenjakob. Weder Marcus H. Rosenmüller noch Produzent Robert Marciniak hatten zu diesem Zeitpunkt das Bühnenstück
gesehen. „Ein befreundeter Theaterregisseur hatte uns auf darauf aufmerksam gemacht und wir hatten das Buch zum Lesen bestellt“, sagt Robert Marciniak. „Das Stück behandelt relevante Themen, aber auf eine sehr amüsante Weise, weil die Dialoge pointiert und unglaublich gut sind. Deshalb wollten wir die Handlung aus dem Theater holen und als großen Film auf die Leinwand bringen.“ Obwohl Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob seit Jahrzehnten Drehbücher für erfolgreiche Film- und Fernsehproduktionen schreiben, stellte sie die Adaption ihres eigenen Stückes vor besondere Herausforderungen: „Das Theaterstück spielt in einem einzigen Raum, aber beim Film haben wir die Möglichkeit, mehrere Orte zu zeigen“, sagt Dietmar Jacobs. „Wir stellten uns die Frage: Wie können wir neue Orte eröffnen? Wie können wir dadurch neue Handlungsstränge aufmachen und die Figuren noch weiterentwickeln?“ Während das Drehbuch Seite für Seite entstand, merkte Moritz Netenjakob, dass das
ohnehin schon gute Theaterstück durch die vielen Möglichkeiten, die ein Film bietet, noch besser wurde: „Wir konnten die Gag-Dichte tatsächlich noch einmal steigern.“
Produzent Robert Marciniak ergänzt: „Uns war wichtig, den Kern der Geschichte zu erhalten. Das ist den Autoren wunderbar gelungen. Aber wir wollten die Handlung cineastisch erzählen, indem wir Schauplätze und Motive hinzufügen und den Figuren mehr Tiefe geben. Wir erfahren im Film viel mehr über die Figuren als im Theaterstück.“ Die größte Änderung wurde am Ende der Geschichte vorgenommen: „Im Theater darf das Publikum entscheiden, ob ein zweiter Grill angeschafft wird oder nicht“, sagt Robert Marciniak. „Das kann man im Kino nicht machen. Also haben wir uns für ein fulminantes Ende mit hohem Schauwert entschieden.“
Die Autoren genossen bereits beim Schreiben die enge und produktive Zusammenarbeit mit Regisseur Marcus H. Rosenmüller: „Rosi ist eine Legende, er kennt sich mit Theater und mit Film aus, was in der Regielandschaft eine seltene Kombination ist“, sagt Moritz Netenjakob. „Ab dem ersten Treffen wussten wir unsere Geschichte bei ihm in guten Händen. Wir waren uns in allen Punkten einig. Das ist ein gutes Zeichen, dass eine kreative Zusammenarbeit fluppt. Seit Rosi dabei war, lief alles perfekt.“ Marcus H. Rosenmüller zollt den Autoren seinen Respekt: „Das Drehbuch ist so flott geschrieben, hat so viele Pointen und so viel Tiefe, dass ich dachte: Wenn das jetzt an mir vorbeigeht, bin ich echt beleidigt. Ich fühle mich geehrt, dass ich dieses intelligente und hochwitzige Drehbuch verfilmen durfte.“
DIE BESETZUNG
Ein Sechser im Lotto
Dietmar Jacobs spricht von einem „Sechser im Lotto“, wenn er auf die Besetzungsliste schaut. „Wir haben in den letzten Jahren viele wunderbare Schauspieler:innen in großartigen Inszenierungen unseres Stückes gesehen, aber dieser Cast übertrifft alles, was wir uns hätten wünschen können.“ Die Comedy-Legende Hape Kerkeling spielt Heribert Bräsemann, den Präsidenten vom Tennisclub Lengenheide. Christoph Maria Herbst spielt Torsten Pfaff, einen aus Berlin in die Provinz gezogenen Werbetexter, dessen Frau Melanie (Anja Knauer) nicht nur auf dem Tennisplatz perfekt mit ihrem Doppelpartner Erol Oturan (Fahri Yardim) harmoniert. Friedrich Mücke spielt Matthias Scholz, den stellvertretenden Vereinsvorsitzenden, der unter dem Pantoffel seiner herrischen Mutter Elisabeth (Gaby Dohm) steht und lieber heute als morgen den Vorsitz des Tennisclubs
übernehmen würde. „Wir sind wahnsinnig stolz, dass wir Hape Kerkeling und Christoph Maria Herbst gewinnen konnten, die erstmals gemeinsam in einem Film spielen“, sagt Produzent Robert Marciniak. „Dass wir solch ein All-Star-Ensemble haben, liegt an dem großartigen Drehbuch und an unserem Regisseur, mit dem alle gern zusammenarbeiten wollten.“ Hape Kerkeling erhielt das Drehbuch direkt von Marcus H. Rosenmüller. „Ich fand es von vorne bis hinten amüsant, spannend, abenteuerlich und erhellend“, lobt Hape Kerkeling die Arbeit der Autoren. Seine Rolle als vom Ischias geplagter Heribert bezeichnet der Schauspieler als „ziemlich bräsigen Vorsitzenden, der den Tennisverein auf eine, ich sage mal, rheinische Art verwaltet.“ Das bedeutet: „Er ist ein bisschen korrupt, nicht schlimm, nicht kriminell. Man wundert sich, wenn man in die Sparbücher guckt, aber strafbar ist das alles nicht. Insofern dachte ich: So einen Filou möchte ich gern spielen. Er hat schöne Pointen, haut zwischendurch immer einen Spruch raus und durchlebt im Film unfassbare Emotionen.“ Auch die Aussicht auf eine Zusammenarbeit mit Marcus H. Rosenmüller überzeugte Hape Kerkeling: „Ich wollte schon immer einen Film mit Rosi drehen. Deshalb habe ich blind zugesagt. Was gut war.“ Christoph Maria Herbst freute sich darauf, erstmals in seiner nahezu 30-jährigen Schauspielkarriere mit Hape Kerkeling vor der Kamera zu stehen. „Mit ihm bin ich groß geworden, obwohl wir fast gleich alt sind. Für mich hat es Hape Kerkeling gefühlt schon immer gegeben, als Über-Kollegen, als Gallionsfigur der Comedy, aus einer Zeit kommend, in der unsere Arbeit noch gar nicht Comedy genannt wurde.“ Herbst attestiert Kerkeling ein „Alleinstellungsmerkmal in so vielen Bereichen. Es ist super, einen Marathon zu laufen und solche Größen vor sich zu haben, die das Tempo vorgeben und in deren Windschatten man laufen kann.“ Durch gemeinsame Bühnenauftritte und eine private Freundschaft mit Moritz Netenjakob war Christoph Maria Herbst schon früh vertraut mit dem Theaterstück „Extrawurst“: „Ich war bei der Premiere im Renaissance Theater in Berlin dabei und habe später auch andere Inszenierungen gesehen. Als Moritz mir irgendwann erzählte, dass das Stück verfilmt werden soll, habe ich ihn beglückwünscht, aber nicht in Betracht gezogen, dass mir eine Rolle angeboten wird.“ Eine Zeitlang war Christoph Maria Herbst als stellvertretender
Vereinsvorsitzender Matthias Scholz im Gespräch, wurde dann aber als Werbetexter Torsten Pfaff besetzt.
„Torsten neigt zur Pose, er ist aus Berlin nach Lengenheide gezogen und trägt den Hauptstädter vor sich her“, sagt Christoph Maria Herbst. „Er kann mit Disharmonie nicht umgehen und klopft immer Sprüche, weil er gelernt hat, dass es keinen Streit gibt, wenn Menschen miteinander lachen.“ Der Schauspieler hält Torsten Pfaff für eine tragikomische Figur: „Es macht mir Freude, so jemanden zu spielen, der alles dafür tut, von den anderen akzeptiert zu werden, der aber von allen freundlich ignoriert wird, sogar von seiner Frau Melanie.“ Anja Knauer spielt Melanie Pfaff und sieht die Ehe mit Torsten „an einem Punkt, an dem man eine stille Übereinkunft hat, dass man sich wo wenig wie möglich stört.“ Die Schauspielerin ist überzeugt: „Melanie hat in der Beziehung die Hosen an, auch wenn Torsten das anders sieht.“ Christoph Maria Herbst vermutet, dass sich „bestimmte Mechanismen“ in die langjährige Ehe eingeschlichen haben: „Torsten gibt ziemliche Klopper von sich, aber Melanie ist nicht beleidigt, sondern schießt genauso hart zurück. Irgendwo gibt es sicherlich ein Fundament, das mal Liebe war, aber den zärtlichsten und leidenschaftlichsten Umgang pflegen die beiden in ihrer Beziehung nicht.“ Es ist Melanie, die einen zweiten Grill für die türkischen Vereinsmitglieder anregt und damit den Stein ins Rollen bringt. „Sie meint es gut, aber ihr Gutmeinen kommt stets mit einem Beipackzettel“, sagt Anja Knauer. „Am Set hat mal jemand gesagt, Melanie sei eine Mischung aus Mutter Teresa und Angela Merkel. Und im Film bezeichnet Matthias Scholz sie als Amtsgericht Prenzlauer Berg. Beides stimmt. Denn Melanie sagt den Leuten gern, was richtig und was falsch ist.“ Anja Knauer kann Melanies Motivation durchaus nachvollziehen: „Sie hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, für den sie am Ende aber auch über Leichen gehen würde. Zum einen, weil sie ihre Forderung für legitim hält, zum anderen, weil sie im Verein auf Widerstand stößt. Sie mag es nicht, wenn man ihre Meinung wegbügeln möchte. Dann lässt sie nicht locker, schon aus Prinzip nicht. Der Tennisdoppelpartner, für dessen Belange sich Melanie ungefragt einsetzt, ist Erol Oturan. Der erfolgreiche Leiter einer Steuerkanzlei wird gespielt von Fahri Yardim. „Erol ist Muslim, aber nicht allzu streng gläubig“, meint der Schauspieler. „Er ist in Deutschland aufgewachsen, ein charmanter Kerl, der bescheiden wirkt, dem aber die Anerkennung im Berufsleben, im Sport und in der Gesellschaft durchaus wichtig ist.“ Rassismus hat in Erols Welt bislang keine große Rolle gespielt. „Er ist von einer fröhlichen Schlichtheit und
geht locker mit kleinen rassistischen Gags um, die auch durchaus mal von ihm selbst kommen können“, sagt Fahri Yardim. „Erol ist mit Rassismus nie auffallend in Berührung gekommen – bis zu dieser denkwürdigen Vereinssitzung, bei der es um die Wurst geht und bei der irgendwann auch seine eigenen Abgründe zum Vorschein kommen.“ Fahri Yardim freute sich auf die Zusammenarbeit mit dem prominenten Ensemble, ging aber mit einer gewissen Skepsis zur ersten Leseprobe: „Ich hatte ein bisschen Bammel, dass ein Kammerspiel mit so vielen Persönlichkeiten auch ein Ego-Ding der großen Macker werden könnte. Doch die Zusammenarbeit war von der ersten Minute an herzlich und wohlwollend.“ Besonders die Szenen mit Hape Kerkeling behält Fahri Yardim in bester Erinnerung: „Da stand ein Halbgott mit uns am Set, der aber total menschlich ist. Eigentlich
ist es absurd zu erwarten, dass Hape anders drauf wäre. Aber dieses Ausmaß an Freundlichkeit überrascht einen dann doch.“
Friedrich Mücke, der zuletzt als Sheriff durch Michael Bully Herbigs Komödienhit „Das Kanu des Manitu“ ritt, macht das Quintett der Hauptdarsteller:innen komplett. Er spielt Matthias Scholz, den überkorrekten stellvertretenden Vorsitzenden des Tennisclubs. „Matthias liebt die Ordnung“, sagt Friedrich Mücke. „Er versteht die Ordnung als absolutes Fundament des Zusammenlebens. Alles, was neu und anders ist, empfindet
er als schräg und schwierig.“ Das führt zu Spannungen: „Matthias möchte offen sein, kann das aber nicht, weil sein konservatives Weltbild immer dominiert.“ Hape Kerkeling räumt ein, dass sich Matthias Scholz als ewiger Zweiter in der Hierarchie des Tennisclubs niemals gegen den Präsidenten Heribert durchsetzen kann: „Heribert ist für Matthias wie ein Adoptivvater, der ihm ständig ungebetene und ziemlich doofe Ratschläge gibt. Zugleich ist abzusehen, dass Heribert niemals freiwillig seinen Posten räumt. Der muss erst vom Stuhl fallen, bevor Matthias sein Nachfolger werden kann. Die beiden verbindet eine Hassliebe, die ich sehr komisch finde.“ Friedrich Mücke kombinierte das Lesen des Drehbuchs mit einem festen Ritual: „Ich drehte gerade in Wien und saß in einem Café, als ich die ersten Seiten las. Ich musste so sehr lachen, dass ich beschloss, fortan jeden Tag ins Café zu gehen und immer nur zehn bis 20 Seiten zu lesen, um dieses schöne Leseerlebnis möglichst lang ausreizen zu können.“ Der Schauspieler war überzeugt, „das Drehbuch der Stunde“ in Händen zu halten: „Es ist modern, relevant und sensationell geschrieben. Es greift die deutsche Vereinskultur genauso auf wie die aktuelle Unfähigkeit, andere Meinungen auszuhalten. Mich reizten auch die anderen männlichen
Rollen im Film, aber vom Alter her bin ich Matthias Scholz am nächsten.“
Ein weiterer Besetzungscoup ist Gaby Dohm in der Rolle der herrischen Mutter Elisabeth Scholz. „Es ist mir eine große Ehre, dass Gaby Dohm dabei ist“, sagt Regisseur Marcus H. Rosenmüller. „Ihre Rolle ist nicht ganz einfach, weil Elisabeth Scholz keine sympathische Frau ist. Umso schöner ist es, dass wir sie mit einer so sympathischen Schauspielerin besetzen konnten.“ Friedrich Mücke attestiert seiner berühmten Filmmutter „eine Mischung aus Grandezza, Herzlichkeit und Bodenhaftung“. Die Beziehung zwischen Matthias und Elisabeth Scholz beschreibt er kritischer: „Das ist ein klassisch deutsches Mutter-Sohn-Verhältnis: viel Liebe, aber wenig Luft.“ Das gilt nicht nur für das Privatleben, sondern auch für den beruflichen Werdegang: „Matthias hat den örtlichen Markisenladen von seinen Eltern übernommen“, sagt Friedrich Mücke. Im Film spricht Matthias Scholz von einem „angesehenen Fachgeschäft für innovative Sonnenschutzsysteme.“ Friedrich Mücke erklärt: „Matthias und seine Mutter haben ein Abhängigkeitsverhältnis unguter Art. Man spürt die Sehnsucht des Sohnes, sich aus dieser Enge rausboxen zu wollen. Doch weder seine Mutter noch der Tennisclub geben ihm die Chance, seine Wünsche und Träume zu verwirklichen.“ Friedrich Mücke nennt Gaby Dohm den „Star am Set“, zu dem auch Größen wie Hape Kerkeling und Christoph Maria Herbst aufschauten. „Als ich las, dass Gaby Dohm mitspielt, dachte ich: Hallo, geht‘s noch?“, sagt Christoph Maria Herbst. „Es ist eine wahre Freude, mit dieser großen, niemals alt werden wollenden Kollegin spielen zu dürfen.“ Hape Kerkeling betont: „Gaby Dohm ist der Knaller. Ich bin stolz und froh, dass ich mit dieser großartigen Schauspielerin arbeiten durfte. Gleich am ersten Tag habe ich so ein doofes Fan-Foto mit ihr gemacht. Gaby ist toll. Ich liebe Gaby.“ Entsprechend überrascht war Hape Kerkeling von der
ungewohnten Seite, die Gaby Dohm in EXTRAWURST zeigt: „Elisabeth Scholz ist der böseste Finger von allen. So hat man Gaby Dohm noch nicht gesehen. Schon deshalb sollte man sich diesen Film anschauen.“
Marcus H. Rosenmüller weist noch auf einen letzten Besetzungscoup hin: „Die kleine, aber feine Rolle des Platzwarts haben wir hochkarätig mit Milan Peschel besetzt.“ Vier Jahre zuvor hatte Milan Peschel in Rosenmüllers „Beckenrand Sheriff“ die Hauptrolle des Bademeisters Karl Krause gespielt, der für den Fortbestand seines Freibades kämpft. Diesmal beschränkt sich seine wortkarge Rolle auf markante Zwischenmomente, in denen Hans Günther Schnippering, der Platzwart des TC Lengenheide, irgendwie immer am falschen Platz zu sein scheint und die feurigen Debatten der Streithähne stört.
LOCATIONS UND KOSTÜME
Der Tennisclub Lengenheide
Marcus H. Rosenmüller und sein Bildgestalter Daniel Gottschalk drehten vom 14. April bis 28. Mai 2025, vorwiegend auf der Tennisanlage des Ruder-Tennis-Hockeyclubs Bayer Leverkusen. „Unser Hauptmotiv sollte von Köln aus gut erreichbar sein“, sagt Szenenbildner Michael Binzer, „und so groß sein, dass der Spielbetrieb des Vereins weiterlaufen konnte, obwohl wir parallel dort drehten.“ Mit 26 Tennisplätzen im Freien, zwei Tennishallen, einem Clubhaus samt Gastronomie und weiteren Sportplätzen erfüllte die Anlage des RTHC Bayer Leverkusen mit Bravour alle Voraussetzungen.
Die einzige größere Einschränkung für die Mitglieder war, dass das Clubhaus-Restaurant „Rococo“ seinen Betrieb für mehrere Wochen provisorisch in ein Zelt auf der Terrasse verlegte, damit das Lokal für die Dreharbeiten vorbereitet und genutzt werden konnten. „Ein großer Vorteil des Restaurants war, dass wir durch die großen Fenster gute Blickverbindungen zur Tennishalle und zu den Freiplätzen hatten“, sagt Michael Binzer. Anders als im Theaterstück spielt EXTRAWURST nicht ausschließlich im Vereinslokal. Vielmehr wird die gesamte Tennisanlage in Luftaufnahmen und weitwinkeligen Einstellungen eingeführt, während die Diskussion über das Pro und Contra eines zweiten Grills nicht nur im Clubheim, sondern zeitweise auch in der Halle, in der Werkstatt oder im Lagerraum fortgesetzt wird. „Unser Regisseur ist ein Meister darin, Dialogszenen durch wechselnde Motive spannend zu gestalten“, lobt der Szenenbildner. Vieles fand Michael Binzer auf der Anlage des RTHC Bayer Leverkusen bereits vor. Trotzdem musste jedes Motiv bearbeitet, geändert oder ergänzt werden: vom eigens entworfenen Logo des fiktiven Tennisclubs Lengenheide über die großen Werbebanner des Markisen-Spezialisten Scholz bis zum 13 Meter langen Tennisschläger, der über der Anlage thront und im actionreichen Finale eine wichtige Rolle spielt. Auch die Autos der Hauptfiguren wurden präpariert und erhielten unter anderem fiktive Kennzeichen mit der Buchstabenkombination LEN für Lengenheide. Für die Versammlungsszenen im Clubhaus konnten auch Mitglieder des gastgebenden Sportvereins RTHC Bayer Leverkusen als Komparsen gecastet werden. Doch auch Schauspieler:innen saßen an den Tischen, um
kleine Rollen zu übernehmen, die es im Theaterstück nicht gibt und die im Film für große Schauwerte sorgen. So nehmen etwa die Protokollführerin Anne Ackermeier, der lokale Metzgermeister Heinz Gumberger oder auch Heriberts Schwager Peter Lohr (der dank Vetternwirtschaft das in die Jahre gekommene Clubheim mit „Funktionalität und Eleganz, vom Café bis in die Sanitärräume“ kernsanieren darf) an der Sitzung teil und kommen in den zweifelhaften Genuss von Matthias Scholz‘ nicht enden wollenden PowerPoint-Präsentationen auf der bereitstehenden Leinwand. Fahri Yardim und Anja Knauer wurden im Vorfeld der Dreharbeiten zum Tennistraining geschickt. „Laut Drehbuch sind wir Regionalmeister, aber im wahren Leben ziemliche Körperklause“, meint Fahri Yardim. „Ich hatte fünf Trainingsstunden und habe mir wirklich große Mühe gegeben, vor der Kamera wie ein fantastischer Spieler zu wirken“, sagt Fahri Yardim und hofft, „dass das irgendwie im Schnitt gelöst wurde, notfalls mit Spezialeffekten.“ Anja Knauer nahm in Berlin sogar zehn Tennisstunden. „Ich dachte, ich kann richtig gut spielen – bis ich mit Fahri auf dem Platz stand und mir die Bälle nicht mehr direkt von meinem Tennislehrer zugespielt wurden. Es war gar nicht einfach, einen bildstarken Ballwechsel hinzubekommen, ich vertraue auf den Schnitt.“
Im Film sind nur Melanie und Erol in sportlicher Aktion zu sehen. „Beide kommen direkt vom Tennisplatz zur Mitgliederversammlung und tragen die ganze Zeit Tenniskleidung“, sagt Kostümbildnerin Anke Winckler. „Optisch passen beide gut zusammen, besser als Melanie und ihr Mann Torsten, dessen großstädtische Modeattribute in Lengenheide eher fremd wirken“, meint Anke Winckler und weist auf ein unterschwelliges Detail hin: „Melanie fühlt sich durch Erol besser repräsentiert als durch Torsten, der ihr häufig peinlich ist mit seinen Sprüchen. Deshalb lassen wir Erols Jacke im Laufe des Films zu Melanie wandern: Sie fühlt sich von ihrem Doppelpartner beschützt.“
Dass Torsten voller Eifersucht auf die gute Chemie zwischen Melanie und Erol blickt, stimmt Christoph Maria Herbst nachdenklich: „Wer eifersüchtig ist, sollte erstmal an sich selbst arbeiten und nicht an dem, auf den sich seine Eifersucht bezieht. Wie sagt der Volksmund so schön? Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Damit wäre Torsten treffend beschrieben.“ Doch ihm ist der Schein wichtiger als die Realität: „Ich glaube, Torsten ist nie so richtig in der Provinz angekommen, will aber unbedingt dazugehören. Das hat ihn auch in diesen Verein getrieben, obwohl er Tennis hasst, wie später im Showdown deutlich wird.“ Auch Hape Kerkeling räumt ein: „Ich habe in meinem Leben noch keinen Tennisschläger in der Hand gehabt. Aber ich glaube, beim Vorsitzenden Heribert Bräsemann liegt das letzte Spiel auch schon viele Jahre zurück.“
Im Vereinslokal ist das durch Jugendbilder des damals noch aktiven Spielers Heribert und durch ein paar verstaubte Pokale erkennbar. Kostümbildnerin Anke Winckler entwarf für Heribert ein „sportliches Freizeit-Outfit“ mit Sakko: „Er repräsentiert den Verein und muss auch mit seiner Kleidung ein wenig Haltung ausdrücken. Er ist mit Leib und Seele Vorsitzender und kompensiert durch den Einsatz für den Verein seine
Einsamkeit und den Verlust seiner Frau.“
Für Anke Winckler war es wichtig, den Charakter jeder Hauptfigur treffsicher durch ein einziges Outfit zu skizzieren: „Die Handlung spielt an nur einem Tag und in wenigen Stunden.“ Da im Laufe der fieberhaften Diskussion aber alle Figuren zunehmend erschöpft, genervt und verschwitzt sind, wurden für alle Hauptdarsteller:innen jeweils mehrere identische Kostüme angefertigt, um die Anschlüsse ohne große Wartezeiten zu bewerkstelligen. Dabei war nur eine Stofffarbe tabu: „Wir haben auf Grün verzichtet, damit sich die Kleidung der Figuren klarer vom Teppichboden der Tennishalle abhebt.“ Friedrich Mücke wurde als nerdiger Matthias Scholz eher unscheinbar und überaus korrekt angezogen, als hätte seine Mutter die Kleidung für ihn rausgelegt. „Elisabeth Scholz treibt ihren Sohn zu Höchstleistungen an. Sie ist gewohnt, mit ihrem Geld und ihrer Strenge andere Menschen zu dirigieren. Ihr Kleidungsstil spiegelt diesen Charakter wider“, sagt Anke Winckler.
HARMONIE AM SET
Der Regisseur und die Stars
Marcus H. Rosenmüller gesteht, dass ihn die Prominenz des Ensembles anfangs nervös machte: „Werde ich mit den Schauspieler:innen eine gemeinsame Vision finden? Passiert am Set irgendetwas, das mir nicht gefällt?“ Schnell fand er beruhigende Antworten auf seine Fragen: „Schon bei der ersten Leseprobe war klar, dass ich große Unterstützung durch dieses erstklassige Ensemble habe.“ Der Regisseur wusste, dass er seinem Cast viel abverlangen würde: „Im Theater haben wir nur diese eine große Achse zwischen den Schauspieler:innen auf der Bühne und den Zuschauer:innen im Publikum“, sagt Marcus H. Rosenmüller, „doch beim Film gibt es viele verschiedene Achsen zwischen den Figuren. Jedes Mal, wenn die Kamera den Standort wechselt, müssen die Schauspieler:innen ein und dieselbe Szene immer wieder von vorn spielen.“
Anja Knauer berichtet: „Es gibt diese eine Szene, in der wir den Versammlungsraum verlassen haben und zu fünft in der Tennishalle stehen. Dort reden wir wahnsinnig lang und viel. Wir haben neun Tage für die Szene gebraucht und oft zehn Minuten am Stück gedreht. Am Ende konnten wir jedes Wort mitsprechen, auch die Sätze der Kolleg:innen.“ Für Marcus H. Rosenmüller nahm Anja Knauer diesen Kraftakt gern in Kauf: „Er animiert die Schauspieler:innen immer wieder, den Kern der Figuren zu finden. Er achtet darauf, dass sie authentisch bleiben und ihnen die Wärme nicht abhandenkommt, trotz des ganzen Streits.“ Fahri Yardim bezeichnet Marcus H. Rosenmüller als „eine Naturgewalt“ am Set: „Er spielt jede Szene vor, er lebt die Geschichte, er trägt sie im Herzen und lässt uns daran teilhaben. Er hat eine Vision und fordert sie ein. Sobald die Energie mal nachlässt, peitscht er uns wieder ein, aber auf eine fröhliche und ansteckende Weise.“ Christoph Maria Herbst wählt die Metapher vom „Dieselmotor“, wenn er Marcus H. Rosenmüllers Regiestil beschreiben soll: „Sobald er einmal warmgelaufen ist, bekommt man den nicht mehr ausgestellt. Rosi ist die ganze Zeit auf Betriebstemperatur. Schon am Morgen und dann bis zur letzten Klappe bringt er eine
unglaubliche Energie mit rein.“
Hape Kerkeling attestiert Marcus H. Rosenmüller eine „kindliche Faszination“ für die Filmarbeit: „Er ist unermüdlich und leidenschaftlich, aber vor allem lebt er den Teamgeist. Jeder am Set, ob es der Komparse oder der Hauptdarsteller ist, wird von ihm liebevoll und herzlich behandelt. Man fühlt sich wie in einer Familie.“ Hape Kerkeling ließ sich gern von den immer neuen Ideen des Regisseurs überraschen: „Es verging kein Tag, an dem der Drehplan nicht ein bisschen umgeschmissen wurde. Rosi meint, die gute Idee ist die Feindin der besseren Idee. Deshalb hat er die Dinge immer wieder spontan verändert.“ Diese Erfahrung machte auch Anja Knauer: „Rosi ist jederzeit bereit, seine ursprünglichen Ideen über Bord zu werfen. Dabei hat er nicht nur ein offenes Ohr für unsere Vorschläge, sondern schafft eine Atmosphäre, in der wir uns maximal einbringen können. Das ist ein sehr kreativer Prozess, bei dem jederzeit etwas ganz Neues passieren kann, woran am Morgen noch niemand gedacht hat.“ Hape Kerkeling empfand es oft als große Hilfe, dass der Regisseur bestimmte Szenen einfach vorspielte: „Ich weiß, dass manche Schauspieler:innen es hassen, aber ich empfinde es als große Hilfe, wenn ein Regisseur mir seine Vision vorspielt. Dann spiele ich das genau so nach, wie ich es beim Rosi gesehen habe, und bin auf der sicheren Seite.“ Mit einer einzigen Einschränkung: „Der Rosi redet die ganze Zeit bayerisch, aber für meinen Heribert musste ich das alles schnell ins Rheinische übersetzen.“
Friedrich Mücke wählte eine andere Herangehensweise: „Ich habe weggeschaut und weggehört, wenn Rosi etwas vorgespielt hat“, lacht der Schauspieler. „Sonst besteht die Gefahr, dass ich das zu genau kopiere. Ich möchte die Figur selbst entwickeln und dem Regisseur meine Interpretation anbieten.“ Dass sich diese Kreativität entfalten konnte, dafür sorgte Marcus H. Rosenmüller: „Er ist kein leiser Dirigent“, sagt Friedrich
Mücke. „Er mag die große Geste, den großen Quatsch, er liebt Anarchie und Slapstick. Deshalb kommt er
auf abgefahrene Ideen und ist im besten Sinne unberechenbar.“
Produzent Robert Marciniak blickt inzwischen auf fünf gemeinsame Filme mit Marcus H. Rosenmüller zurück und weiß: „Der Rosi ist mit einem wahnsinnigen Herzblut bei der Sache, egal ob er eine Komödie wie EXTRAWURST inszeniert oder ein Drama wie „Trautmann“. Er kann Geschichten erzählen, die Humor transportieren, die aber auch eine Tiefe haben und die Figuren ernst nehmen. Alle Schauspieler:innen arbeiten wahnsinnig gern mit ihm.“
Das gute Arbeitsklima schlug sich auch positiv auf die Harmonie innerhalb der Kultbesetzung nieder: „Die Dynamik am Set war Bombe“, bringt es Christoph Maria Herbst auf den Punkt. „Gerade bei einem Film, in dem es um das Hauen und Stechen der Figuren geht, ist es wichtig, dass man sich im wahren Leben gut versteht. Umso heftiger dürfen dann die Sätze ausfallen, die man sich vor der Kamera an die Köpfe schleudert.“ Hape Kerkeling empfand die Dreharbeiten als angenehm und lehrreich: „Ich drehe nur alle paar Jahre einen Film. Für mich war es toll, mit so einem routinierten Star-Cast zu arbeiten, bei dem ich mir eine Menge abgeguckt habe. Manchmal war ich so fasziniert von der Leistung meiner Kolleg:innen, dass ich mir in den langen Szenen sagen musste: Konzentriere dich auf die Stichwörter, immerhin spielst du hier auch mit!
Kurzum: Es war mir eine große Freude.“
ABSEITS DES TENNISCLUBS
Weitere Filmlocations
Jenseits der großen Tennisanlagen und der haarsträubenden Diskussionen gönnt sich der Film – anders als das Theaterstück – einen stillen Moment, in dem der Präsident Heribert Bräsemann den Vereinsstress hinter sich lässt und zu seinem Eigenheim fährt. Gedreht wurde in einem vorübergehend leerstehenden Haus in einer wohlhabenden Gegend von Köln. Szenenbildner Michael Binzer wertet es als Glücksfall, dass in dieser
Immobilie sogar der im Drehbuch beschriebene Treppenlift vorhanden war und von den Filmemachern benutzt werden durfte. Mit seinem Team stattete Binzer das Haus gutbürgerlich und im verwohnten Chic der 80er-Jahre aus. „Es gab glücklichere Zeiten in Heriberts Leben“, sagt Michael Binzer. Davon zeugen alte Fotos, die an der Wand entlang der Treppe hängen und den jüngeren Heribert Bräsemann in Gesellschaft seiner inzwischen verstorbenen Frau zeigen. Weitere Filmlocations, die aber nur zu Beginn des Films zu sehen sind, fand Michael Binzer allesamt in Köln:
einen Spielplatz, einen Bürgersteig vor Wohnhäusern, eine Parklücke vor der Pension „Zur guten Quelle“ und den Eingang zu einer Straßenunterführung. An allen Orten drehte Bildgestalter Daniel Gottschalk fast schon dokumentarisch, aus der Perspektive eines Handy-Nutzers, wie aus nichtigen Alltagssituationen ein überflüssiger Streit oder eine handfeste Auseinandersetzung entstehen. Aus dem Off hört man dazu die
wohlfeilen Worte des Präsidenten Heribert Bräsemann: „Wenn ich mir die Welt heutzutage so anschaue, kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln. Die Leute kriegen das einfach nicht mehr auf die Kette, wie man vernünftig miteinander redet, außer in unserem Club. Denn zum Glück ist hier im Tennis-Club Lengenheide alles noch in Ordnung, dank unseres Vereinsmottos: Im Frieden und im Krieg behält die Einigkeit den Sieg.“
EIN MODERNER JEDERMANN
Eine Komödie mit Substanz
Hape Kerkeling zieht große Vorbilder heran, wenn er die gesellschaftliche Bedeutung von EXTRAWURST hervorheben möchte: „Mich erinnert das ein bisschen an den „Jedermann“ von Hofmannsthal, denn auch da geht es um Archetypen. Der Film, wie zuvor auch schon das Theaterstück, hält uns einen Spiegel vor. Das ist eine Satire auf eine Gesellschaft, die derzeit immer gemeiner, gehässiger und gnadenloser wird und in der die Meinung des anderen nicht mehr zugelassen werden soll. Das spitzt diese Komödie auf brillante Weise zu. Die beiden Autoren, die schon viele schöne Sachen geschrieben haben, erreichen hier ihren bisherigen künstlerischen Höhepunkt.“ Hape Kerkeling hält das Kino für den einzig wahren Ort, um sich die Geschehnisse vom Tennisclub Lengenheide anzuschauen: „Nur die große Leinwand kann angemessen darstellen, wie diese spießig-lustige Vereinssitzung zur Schlacht eskaliert. Ich will nicht zu viel verraten, aber das sind am Schluss bürgerkriegsähnliche Zustände in diesem Club.“
Auch Christoph Maria Herbst erkennt im Kinobesuch einen Mehrwert: „Kino ist larger than life. EXTRAWURST ist kein abgefilmtes Theaterstück, sondern bietet mehr Settings, neue Figuren und damit auch neue Konflikte und einen Showdown, der nur im Kino möglich ist.“ Herbst nennt EXTRAWURST eine „Komödie mit Substanz“ und das genaue Gegenteil einer Boulevardkomödie: „In einer Boulevardkomödie weiß man bei jeder Figur, sobald sie die Bühne betritt, wie sie tickt und für welche politische oder gesellschaftliche Richtung sie steht. Das ist bei EXTRAWURST nicht so: Da wird gehüpft und gesprungen, das Publikum wundert sich immer wieder über die Ansichten, Beleidigungen und Parolen, die unverhofft aus den unterschiedlichen Lagern kommen. Das macht den Film so bunt, so lebendig und letztlich auch so menschlich, weil alle Figuren in ihrer kompletten Diversität aufgeblättert werden.“
Das sieht auch der Autor Dietmar Jacobs so: „Jede Figur zeigt im Laufe des Films immer wieder neue und andere Seiten von sich. Dabei ist aber sehr wichtig, dass die Figuren im Kern alle irgendwie sympathisch sind. Das sind keine fiesen Nazis, das sind keine Radikalen, sondern Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, die mit ihren Meinungen aneinanderstoßen, sich daran reiben und das Ganze nicht mehr einfangen können.“
Moritz Netenjakob schätzt sich glücklich, dass die von ihm und Dietmar Jacobs erdachten Figuren von „fantastischen Darsteller:innen mit einer riesigen Spielfreude“ zum Leben erweckt wurden. „Im Theater gab es schon 50 oder 60 verschiedene Aufführungen. Wenn eine davon mal nicht so toll war, konnte ich damit leben“, sagt Moritz Netenjakob. „Aber wenn man einen Film ins Kino bringt, hat man nur einen Schuss – und der muss auf Anhieb sitzen. Deswegen bin ich unglaublich froh, dass wir so ein fantastisches Ensemble und Marcus H. Rosenmüller als Regisseur hatten.“
Anja Knauer empfiehlt, EXTRAWURST in Begleitung von Familie und Freund:innen zu schauen: „Im besten Fall redet man nach dem Kinobesuch weiter. Dann wird die Diskussion aus dem Film auch im wahren Leben fortgeführt. Der Film entlarvt auf sehr kluge und zugleich sehr lustige Art diesen typisch deutschen Anspruch, immer Recht haben zu wollen. Im Mittelpunkt des Films stehen fünf Leute, die sehr verschiedene Meinungen
und Hintergründe haben, aber die eine Sache verbindet: Sie diskutieren 90 Minuten lang und hoffen – auch zum Wohle des Vereins – einen Konsens zu finden. Selbst das ist mittlerweile eine Seltenheit geworden.“
Fahri Yardim meint: „EXTRAWURST ist der richtige Film zur richtigen Zeit. Er ist eine schöne Parabel auf unsere Debattenkultur, in der sich aus einer netten Geste ein Streit, ein Kleinkrieg, eine Schlacht entspinnen. Wir machen uns über die Engstirnigkeit der Figuren lustig. Denn Humor ist das beste Mittel, um uns von dieser ganzen Verkrampfung zu befreien. Wir sollten den Wahnsinn unserer Zeit einfach weglachen.“ Friedrich Mücke gefällt, dass der Film „mit sehr viel Humor, aber auch mit sehr viel Schärfe und einer sehr menschlichen Wahrheit“ daherkommt: „Der Witz reizt den Nerv und das schafft ein anderes Bewusstsein für Probleme wie Alltagsrassismus, Vereinsmeierei und Paragrafenreiterei.“
Produzent Robert Marciniak gefällt an EXTRAWURST „die Balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit: Der Film ist keine Klamotte, die den Gags hinterherjagt. Es geht um relevante gesellschaftliche Themen, kombiniert mit wunderbaren Dialogen, intelligentem Witz und großer Schauspielleistung. Wer sowas sucht, wird es bei uns finden.“ Das sieht Regisseur Marcus H. Rosenmüller genauso: „Das Publikum darf sich auf eine Komödie freuen, die Tempo und Esprit, aber auch Geist und Tiefe hat. Wir treffen den Nagel auf den Kopf.“
PROMINENTE TIPPS FÜR DIE NÄCHSTE GRILLPARTY
Hape Kerkeling: „Die Hauptzutat einer guten Grillparty ist gute Laune. Dann schmeckt die Wurst auch dann, wenn sie angebrannt ist. Ansonsten versuche ich, gutes Wetter mitzubringen.“ Christoph Maria Herbst: „Als verkappter Veganer ist mein Top-Tipp, immer etwas Schafskäse in Alufolie
dabei zu haben. Da kann man nichts falsch machen. Schön Knoblauch drauf und einen Spritzer Olivenöl: Da läuft selbst den Fleischfressern das Wasser im Munde zusammen. Aber auch Grillzange, Brennspiritus und Bier dürfen beim Grillen nicht fehlen.“ Fahri Yardim: „Zum Grillen gehört eine gute Barbecue-Sauce. Der Zuckergehalt soll zwar noch höher sein als beim Ketchup, aber echte Liebe ist kein Wunschkonzert. Und guten Senf.“
Anja Knauer: „Mein Geheimtipp ist Chimichurri: Petersilie, Zitrone, Öl, Knoblauch, Chili – und ich mische noch immer etwas Avocado-Creme darunter.“ Friedrich Mücke: „Mein Grilltipp? Lange vorher salzen. Das ist der Unterschied zwischen gewürzt und wirklich gut.“ Milan Peschel: „Ich brauche keinen Grill. Am liebsten hab ich ne Wurst am Stock überm Feuer. Wenn‘s geht mit vielen anderen Menschen, die ums Feuer sitzen …“
Gaby Dohm: „Es gibt ja eine ganze Philosophie, was die Zutaten betrifft. Meine ist: In der Not schmeckt die Wurscht auch ohne Brot.“ Stefano Zarella: „Mein Grilltipp? Italien ohne Kräuter geht nicht! Ich liebe es, Rosmarin- und Thymianzweige direkt mit auf die Glut zu legen. Das gibt dem Fleisch und Gemüse einen feinen mediterranen Rauchgeschmack – fast wie Urlaub in Süditalien, haha." Marcus H. Rosenmüller (Regisseur): „Ich mag alles, aber ich habe kein Talent zum Grillen. Bei mir ist alles entweder zu trocken oder verkohlt. Deswegen freue ich mich immer, wenn ich eingeladen werde. Dann bekomme ich etwas vom Grill, das en point ist.“ Dietmar Jacobs (Autor): „Ich empfehle, beim nächsten Barbecue einfach mal eine Packung Räucher-Tofu mitzubringen und zu gucken, wie die Reaktionen sind. Das ist ein Lackmustest für Toleranz.“ Moritz Netenjakob (Autor): „Ich weiß nicht, ob ich das laut sagen darf, aber ich ziehe inzwischen tatsächlich die türkische Sucuk der deutschen Bratwurst vor. Wenn man Sucuk in der Mitte ein bisschen anschneidet, ist das sehr schmackhaft. Aber in letzter Zeit grille ich auch gern Schafskäse, der in Alufolie
eingewickelt ist. Dazu Zwiebeln, Peperoni und Gewürze – das ist eine schöne vegetarische Variante.“ Robert Marciniak (Produzent): „Mein Geheimtipp für eine gelungene Grillparty ist ein gutes Bier.“ Matthias Scholz (2. Vorsitzender vom TC Lengenheide): „Ich empfehle den Gasgrill XQ 3010 von Seiler. Der kostet im Baumarkt 860 Euro, hat aber auch vier separat beheizbare Brenner mit zwei getrennten Grillebenen und drei stufenlos regulierbaren Temperaturbereichen für einen größeren Wurst-Ausstoß. Dazu hat er eine integrierte Rotationsfunktion und einen Pizza-Stein. Mit dem Grill kann man bis zu 50 Würstchen gleichzeitig grillen. Oder 30 Würstchen und 15 Koteletts. Zum Vergleich: Mit unserem
bisherigen Holzkohlegrill konnten wir auf unseren bisherigen Sommerfesten und Clubturnieren in Stoßzeiten maximal 20 Würstchen gleichzeitig grillen. Oder zehn Würstchen und fünf Koteletts. Auf Anfrage sende ich gern Excel-Tabellen sowie Balken- oder Tortendiagramme zu, die die Wurst-Kapazität des Gasgrills XQ 3010 eindrucksvoll belegen.“
VOR DER KAMERA
Hape Kerkeling (Heribert Bräsemann)
Hape Kerkeling zählt seit mehr als 30 Jahren zu den beständigsten und erfolgreichsten Film- und Fernsehstars im deutschsprachigen Raum. Er ist Comedian, Moderator, Entertainer, Schauspieler, Sänger, Parodist, Kabarettist und Bestseller-Autor in einer Person. Dabei begann seine Fernsehkarriere mit einem Misserfolg. 1977 bewarb sich der damals zwölf Jahre junge Hape bei Loriot für die Rolle des moppeligen Kindes Dicki
im Sketch „Weihnachten bei Hoppenstedts“ – und erhielt eine Absage. Die bis heute legendäre Jungenrolle wurde ausgerechnet von einem Mädchen gespielt. Bereits 1984 veröffentlichte Hape Kerkeling zusammen mit einigen Mitschülern unter dem Bandnamen Gesundfutter eine Schallplatte mit dem Titel „Hawaii“. Er trat bei verschiedenen Talentwettbewerben auf und gewann 1983 den erstmals vergebenen Kabarettpreis Scharfrichterbeil. Er arbeitete für verschiedene Rundfunkanstalten, unter anderem für den WDR und den BR. Den Durchbruch schaffte er 1984/85 mit der Fernsehshow „Känguru“. Zur gleichen Zeit trat er in „Kerkelings Kinderstunde“ mit der Figur des Vorschulkindes Hannilein auf. 1989 gestalteten Hape Kerkeling und der Pianist Achim Hagemann mit „Total Normal“ ein Comedy-Format, das mit der Goldenen Kamera, dem Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. 1992 lehnte Kerkeling ein Angebot des ZDF ab, die Nachfolge von Thomas Gottschalk als Moderator der Samstagabendshow „Wetten, dass…?“ zu übernehmen. Stattdessen ging er mit der Sendung „Cheese“, der ein ähnliches Konzept wie „Total Normal“ zugrunde lag, zum Privatsender RTL. Gleichzeitig entstand sein erster Kinofilm „Kein Pardon“. 1999 war Kerkeling mit der Sat.1-Sendung „Darüber lacht die Welt“ wieder im Fernsehen erfolgreich. Er trat unter anderem als finnischer Sänger der fiktiven Rap-Gruppe R.I.P. Uli in der VIVA-Sendung „Interaktiv“ und als Kleingärtner Rico Mielke in einer Diskussionssendung von Heinrich Lummer auf. Für die Moderation von
„Die 70er Show“ auf RTL wurde er 2003 mit dem Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Beste Moderation/Unterhaltung ausgezeichnet. 2004 drehte Kerkeling den Kinofilm „Samba in Mettmann“ und moderierte bei RTL die Abendshows „Der große Deutsch-Test“ sowie „Der große Deutschland-Test“. 2005 und 2006 moderierte er die von Günther Jauchs Firma i&u TV produzierte RTL-Show „Hape trifft!“. Darin traf Kerkeling auf deutsche und internationale Stars und verkleidete sich auch als rasender Reporter Horst Schlämmer, als Schwabe Siggi Schwäbli und als
niederländische Paartherapeutin Evje van Dampen. 2006 und 2007 moderierte er zusammen mit Nazan Eckes die RTL-Live-Show „Let’s Dance“.
Kerkeling war auch viele Jahre lang mit verschiedenen Bühnenprogrammen auf Tournee. Sein letztes Programm, „Wieder auf Tour“, endete im Dezember 2006. Kerkelings Reisebuch „Ich bin dann mal weg – Meine Reise auf dem Jakobsweg“ erschien am 22. Mai 2006, hielt sich 103 Wochen lang auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste und gilt mit etwa fünf Millionen Leser:innen als eines der erfolgreichsten deutschen
Sachbücher der Nachkriegszeit. 2008 synchronisierte Kerkeling die Rolle des Pandabären Po im Animationsfilm „Kung Fu Panda“. Diese Rolle
sprach er bis 2024 in drei Fortsetzungen der Kinoreihe. Das ZDF verfilmte 2008 Kerkelings Hörbuch „Ein Mann, ein Fjord!“. 2009 kam der Film „Horst Schlämmer – Isch kandidiere!“ in die Kinos. 2010 bis 2014 moderierte er die Verleihung der Goldenen Kamera im ZDF. Im Dezember 2010 lief seine Show „Hapes zauberhafte Weihnachten“ auf RTL. Im folgenden Jahr lehnte er ein zweites Mal die Moderation des ZDF-Klassikers „Wetten, dass…?“ ab, präsentierte aber im ZDF den Jahresrückblick „Menschen 2011“ und führte durch die sechsteilige Doku-Reihe „Terra X – Unterwegs in der Weltgeschichte“. Hape Kerkeling lieh im preisgekrönten Disney-Film Die „Eiskönigin“ („Frozen“, 2013) dem Schneemann Olaf seine Stimme. Dies setzte er im Kurzfilm „Die Eiskönigin – Olaf taut auf“ („Olaf’s Frozen Adventure“, 2017) und im abermals sehr erfolgreichen Disney-Film „Die Eiskönigin II“ („Frozen II“, 2019) fort. Ende 2014 war Kerkeling als Regisseur anlässlich seines 50. Geburtstags an der ZDF-Sendung „Hape Kerkeling – Keine Geburtstagsshow!“ beteiligt. 2015 wurde er mit der „Goldenen Jubiläumskamera“ ausgezeichnet. Im selben Jahr kam die Verfilmung von Kerkelings Bestseller „Ich bin dann mal weg“ mit Devid Striesow in der Hauptrolle in die Kinos. Der Film erhielt das Prädikat „wertvoll“ und hatte fast zwei Millionen Zuschauer:innen. Kerkelings im Herbst 2014 veröffentlichtes autobiografisches Buch „Der Junge muss an die frische Luft – Meine Kindheit und ich“ wurde 2018 von Oscar-Preisträgerin Caroline Link verfilmt. „Der Junge muss an die frische Luft“ erreichte fast vier Millionen Zuschauer:innen und wurde mit allen wichtigen deutschen Preisen ausgezeichnet, darunter der Deutsche Filmpreis, der Bayerische Filmpreis, der Jupiter und ein Bambi sowie die Golden Space Needle beim Seattle International Film Festival. In Joseph Vilsmaiers letzter Regiearbeit „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ (2021) spielte Hape Kerkeling den Teufel und Gegenspieler des Boandlkramers, der von Michael Bully Herbig verkörpert wurde. 2021 veröffentlichte Kerkeling sein Buch „Pfoten vom Tisch!“, außerdem strahlte Vox das siebenteilige Reisemagazin „Hape und die 7 Zwergstaaten“ aus. Mit der Serie „Club Las Piranhas“ griff er 2023 den gleichnamigen Fernsehkultfilm von 1995 wieder auf. 2024 erschien das autobiografische Buch „Gebt mir etwas Zeit“, in dem Kerkeling die Ergebnisse seiner Ahnenforschung präsentierte. Die wichtigste Entdeckung war, dass er wahrscheinlich ein Urenkel des englischen Königs Eduard VII. ist, der ein Verhältnis mit Kerkelings Urgroßmutter aus Marienbad gehabt
haben soll. Zum 60. Geburtstag des Künstlers strahlte die ARD am 9. Dezember 2024 den Dokumentarfilm „Total Normal“ aus, in dem Kerkeling und viele Weggefährten zu Wort kamen. Marcus H. Rosenmüllers Komödie EXTRAWURST leitet am 15. Januar 2026 das große Kino-Comeback von Hape Kerkeling nach 10 Jahren auf der großen Leinwand ein! Im März ist er zudem in Sven Unterwaldts Komödie „Horst Schlämmer sucht das Glück“ zu sehen. Seit 2017 sind Hape Kerkeling und Achim Hagemann Schirmherren des Comedy-Preises „Recklinghäuser Hurz“, der zum 1000-jährigen Jubiläum der Stadt ins Leben gerufen wurde.
Christoph Maria Herbst (Torsten Pfaff)
Christoph Maria Herbst schloss zunächst eine Ausbildung als Bankkaufmann ab, bevor er sich für die Schauspielerei entschied. Es folgten Theaterengagements am Stadttheater Bremerhaven, Metropoltheater München und Hebbel Theater Berlin. Hauptrollen und markante Nebenrollen spielte er unter anderem in den Kinofilmen „(T)raumschiff Surprise – Periode 1“ (2004), „Aus der Tiefe des Raumes“ (2004), „Der Wixxer“ (2004) und „Neues vom Wixxer“ (2007) „Hui Buh – Das Schlossgespenst“ (2006) und „Wo ist Fred?“ (2006). Von 2004 bis 2012 brillierte der vielseitige Schauspieler in der Titelrolle der preisgekrönten ProSieben-Serie „Stromberg“ und verabschiedete diese 2014 vorläufig mit dem Kinofilm „Stromberg – Der Film“. Neben zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen trat der mehrfach ausgezeichnete und von der Presse hoch gelobte Schauspieler wie schon zu Beginn seiner Karriere auch als Theaterschauspieler in Stücken wie „Männerhort“ oder als Hagen für „Das Leben des Siegfried“ bei den Wormser Nibelungenfestspielen auf. Als Synchronsprecher übernahm er Sprechrollen u.a. in „Die Schlümpfe: Das verlorene Dorf“ (2017), „Angry Birds“ (Teil 1, 2016, und 2, 2019), „Peter Hase“ (Teil 1, 2018, und 2, 2021), „Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer“ (2019) sowie in Dany Boons Komödie „Willkommen bei den Sch'tis“ (2008). Für „Konferenz der Tiere“ (2010) wurde Christoph Maria Herbst mit dem Deutschen Animationssprecherpreis ausgezeichnet. Als Hörbuchsprecher las er unter anderem Tommy Jauds „Vollidiot“ und „Resturlaub“, Ralf Husmanns „Nicht mein Tag“ und Stefan Zweigs „Schachnovelle“. Das von ihm gelesene Hörbuch zu Timur Vermes' Debütroman „Er ist wieder da“ stürmte sofort die Bestsellerliste. Ende 2010 veröffentlichte er seinen ersten eigenen Roman „Ein Traum von einem Schiff – Eine Art von Roman“. Weitere Filme mit Christoph Maria Herbst sind Markus Sehrs „Die Kleinen und die Bösen“ (2015), David Wnendts „Er ist wieder da“(2015), Dennis Gansels „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ (2018) sowie die Fortsetzung „Jim Knopf und die wilde 13“ (2020), außerdem Sönke Wortmanns Erfolgsfilme „Der
Vorname“ (2018), „Contra“ (2020), „Der Nachname“ (2022) und „Der Spitzname“ (2024). Für seine Darbietung in „Contra“ wurde Christoph Maria Herbst mit dem Ernst-Lubitsch-Preis ausgezeichnet. Das Festival des Deutschen Films in Ludwigsburg verlieh Christoph Maria Herbst im Sommer 2024 den Preis für Schauspielkunst. Zuletzt sah man ihn in „Der Buchspazierer“ – der im Verleih von STUDIOCANAL 2024 von der FFA zum beliebtesten Film des Jahres gekürt wurde –, „Ganzer halber Bruder“ (2025) und „Stromberg – Wieder alles wie immer“ (2025).
Fahri Yardim (Erol Oturan)
Fahri Yardim studierte nach dem Abitur zunächst Germanistik, Erziehungswissenschaften und Ethnologie in seiner Heimatstadt Hamburg. Er nahm privaten Schauspielunterricht, absolvierte eine Ausbildung am Bühnenstudio der darstellenden Künste in Hamburg und sammelte erste Bühnenerfahrungen an verschiedenen Theatern in Hamburg und Berlin. 2004 gab er sein Kinofilmdebüt in Anno Sauls Culture-Clash-Komödie Kebab „Connection“ (2004). Danach war er u.a. in „One Way“ (2006), „Wo ist Fred?“ (2006), „Keinohrhasen“ (2007), „1 ½ Ritter – Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde“ (2008) und „Kokowääh“ (2011) mit von der Partie. Simon Verhoeven besetzte ihn sowohl in „Männerherzen“ (2009) als auch in der Fortsetzung „Männerherzen und die ganz ganz große Liebe“ (2011). Yardim spielte außerdem in „Chiko“ (2008), im Sportdrama „66/67 –
Fairplay war gestern“ (2009) sowie in „Schwerkraft“ (2009). Zu den Höhepunkten seiner Karriere zählt die mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete Einwanderer-Komödie „Almanya – Willkommen in Deutschland“ (2010). Nach seinem Auftritt als Bronko Steiner in „Mann tut was Mann kann“ (2012) war er in Marcus H. Rosenmüllers „Wer’s glaubt wird selig“ (2012) dabei. Zu seinen wichtigsten Fernseharbeiten zählen das Drama um die Flugzeugentführung in „Mogadischu“ (2008) und „Schutzlos“ (2009). Neben einer Gastrolle in der Kultserie „Türkisch für Anfänger“ wirkte er in mehreren Kurz- und Hochschulfilmen mit. Darüber hinaus war Fahri Yardim in Lars Beckers Krimi „Geisterfahrer“ (2012) zu sehen, außerdem in „Hannah Mangold & Lucy Palm“ (2011), Jochen Alexander Freydanks „Und weg bist du“ (2012) sowie Tobi Baumanns „Visus – Expedition Arche
Noah“ (2011). Lars Beckers „Nachtschicht – Geld regiert die Welt“ (2012) und „Unter Feinden“ (2013) folgten ebenso wie „Kreuzer kommt… ins Krankenhaus“ (2012) und „Hannah Mangold & Lucy Palm – Tod im Wald“ (2012). Von 2013 bis 2020 ermittelte Yardim als Kommissar Yalcin Gümer an der Seite von Til Schweiger im Hamburger „Tatort“. Zudem war er neben Ben Kingsley und anderen internationalen Stars Teil der Besetzung von Philipp Stölzls viel beachteter Noah-Gordon-Verfilmung „Der Medicus“ (2013). Er übernahm neben Milan Peschel eine der beiden Hauptrollen in Anno Sauls Therapie-Komödie „Irre sind männlich“ (2014), drehte mit Markus Goller „Alles ist Liebe“ (2014), stand für die Culture-Clash-Comedy „Marry me!“ (2014) vor der Kamera und trat in Til Schweigers „Honig im Kopf“ (2014) auf. In der deutschen Synchronfassung des US-amerikanischen Science-Fiction-Actionabenteuers „Guardians of the Galaxy“ (2014) und in dessen Fortsetzungen (2017, 2023) sprach er den animierten Waschbär-Helden Rocket. Im Jahr 2015 sah man Fahri Yardim in „Da muss Mann durch“ von Marc Rothemund, in der deutsch-türkischen Co-Produktion „8 Sekunden – Ein Augenblick Unendlichkeit“ und in einer der drei Hauptrollen von Christian Alvarts Kinofilm „Halbe Brüder“. 2016 war er neben Til Schweiger im ersten fürs Kino produzierten „Tatort Tschiller: Off Duty“, der erfolgreichen Kinderbuchverfilmung „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“ (2016) sowie in der TV-Neuverfilmung des Klassikers „Winnetou – Das Geheimnis vom Silbersee“ zu sehen. Zu seinen weiteren Projekten zählen Wolfgang Petersens Kinokomödie „Vier gegen die Bank“ (2016), Alain Gsponers „Jugend ohne Gott“ (2017), Christian Alvarts Steig. „Nicht. Aus!“ (2018), Nele Mueller-Stöfens „Delicious“ (2025) sowie die TV-Serie „Jerks“ (2017 bis 2023) von und mit Christian Ulmen.
Anja Knauer (Melanie Pfaff)
Anja Knauer wurde 1979 in Hamburg geboren. Regisseur Martin Gies entdeckte die damals 16-jährige Schauspielerin für eine Rolle in seinem ZDF-Fernsehspiel „Kleine Einbrecher“ (1996). Danach wirkte sie in bislang mehr als 70 Fernsehfilmen und Serien mit. Der Märchenfilm „Küss mich, Frosch“ (2000), in dem Anja Knauer an der Seite von Matthias Schweighöfer und Karoline Herfurth spielte, erhielt den Erich-Kästner-Fernsehpreis, den Kinderfernsehpreis Emil und eine Nominierung für den internationalen Fernsehpreis Emmy. Es folgten markante Haupt- und Nebenrollen in Fernsehfilmen wie „Lenya – Die größte Kriegerin aller Zeiten“ (2001), „Tsunami“ (2005), „Auf ewig und einen Tag“ (2006), „Die Gustloff“ (2008), „Résiste – Aufstand der Praktikanten“ (2009) und „Tödliche Versuchung“ (2011). Von 2018 bis 2020 spielte Anja Knauer in der ARD-Filmreihe „Die Inselärztin“ die Titelrolle der auf Mauritius praktizierenden Medizinerin Filipa Wagner. Im Kino war Anja Knauer unter anderem in Renata Nassaris „Der glücklichste Tag“ (2014), in Christian Theedes „Im weißen Rössl – Wehe du singst!“ (2012) und in Mira Thiels Komödie „Gut zu Vögeln“ (2015)
zu sehen. Parallel zu ihrer Schauspielkarriere studierte Anja Knauer an der Freien Universität Berlin Film- und Literaturwissenschaften. Das Thema ihrer Magisterarbeit war „Authentizität und Film“.
Friedrich Mücke (Matthias Scholz)
Friedrich Mücke wurde 1981 in Berlin geboren. Von 2003 bis 2007 absolvierte er seine Schauspielausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Im Anschluss war er festes Ensemblemitglied am Münchner Volkstheater. Zudem war er bei den Salzburger Festspielen im „Jedermann“ und am Deutschen Theater Berlin in „Glaube, Liebe, Hoffnung“ zu sehen. Sein Kinodebüt gab Mücke 2009 mit einer Nebenrolle in „Schreibe mir – Postkarten nach Copacabana“. Große Aufmerksamkeit erlangte er durch seine erste Hauptrolle in „Friendship!“ (2009), für die er den
Bayerischen Filmpreis als Bester Nachwuchsdarsteller erhielt. In „Mahler auf der Couch“ (2010) verkörperte er Walter Gropius. 2012 spielte er eine der drei Hauptrollen in der Romanverfilmung „Russendisko“. Zuvor war er in „Die Farbe des Ozeans“ (2011) von Maggie Peren und anschließend in „Ludwig II.“ (2012) von Peter Sehr zu sehen. Von 2012 bis 2014 war er außerdem in der Fernsehserie „Add a Friend“ in einer Hauptrolle zu sehen. 2013 und 2014 verkörperte er im Erfurter „Tatort“ den Kommissar Henry Funck. In „Vaterfreuden“ (2014) war er erneut mit Matthias Schweighöfer auf der Kinoleinwand zu sehen. Außerdem gehörte er zum Ensemble der Tragikomödie „Alles ist Liebe“ (2014). 2015 übernahm er Hauptrollen in den
preisgekrönten Fernsehproduktionen „Weinberg“, „Mordkommission Berlin 1“ und in „Unter der Haut“. 2016 war er an der Seite von Karoline Herfurth in deren Regiedebüt „SMS für Dich“ zu sehen. Die Zusammenarbeit setzte sich mit „Wunderschön“ (2022) und „Wunderschöner“ (2025) fort. Es folgten 2016 und 2017 mit „Am Abend aller Tage“ & „Tatort: Der rote Schatten“ zwei Arbeiten unter der Regie von Dominik Graf. Michael Bully Herbig besetzte Friedrich Mücke für die Hauptrolle im historischen Thriller „Ballon“ (2018) als DDR-Flüchtling Peter Strelzyk. Weitere Rollen übernahm er in „Exit“ von Sebastian Marka und Jackpot unter der Regie von Emily Atef (beide 2020). Es folgten Hauptrollen in der Sky-Serie „Funeral for a Dog“ unter der Regie von David Dietl und Barbara Albert sowie in der ZDF-Serie „Líbrame“, seiner ersten Zusammenarbeit mit Regisseur Adolfo J. Kolmerer. In der True-Crime-Serie „Ich bin Dagobert“, produziert für RTL+, übernahm er die Hauptrolle des Kaufhauserpressers Arno Funke. Die Regie führte Hannu Salonen. Eine weitere Zusammenarbeit mit Adolfo J. Kolmerer folgte in der PrimeVideo-Verfilmung von Sebastian Fitzeks „Der Heimweg“. Für die Komödie „Das Kanu des Manitu“ (2025) setzte Friedrich Mücke seine Zusammenarbeit mit Michael Bully Herbig fort und spielte den messerschart analysierenden Sheriff Kane. Unter der Regie von Gregor Schnitzler übernahm er im Familienfilm „Bibi Blocksberg“ (2025) die Rolle des Bernhard Blocksberg.
Gaby Dohm (Elisabeth Scholz)
Gaby Dohm wurde 1943 in Salzburg als Tochter des Schauspielerpaares Heli Finkenzeller und Will Dohm geboren. Während ihrer Schulzeit in Berlin erkannte die dortige Schauspiellehrerin Else Bongers Gaby Dohms Talent. Sie wurde ihre Ausbilderin und Förderin. Nach ersten Erfahrungen am Düsseldorfer Schauspielhaus gelang ihr der Durchbruch am Münchner Residenztheater, dem sie von 1966 bis Mitte der 1980er-Jahre angehörte. In der Zusammenarbeit mit Regisseur Ingmar Bergman bekam sie besonders positive Kritiken für die Rolle in „Yvonne, Prinzessin von Burgund“ wie auch 1982 den Münchner Publikumspreis als beste Schauspielerin für ihre Leistung in „Szenen einer Ehe“. Ihre erfolgreiche Fernsehkarriere begann Gaby Dohm in der ZDF-Serie „Die Schwarzwaldklinik“. In den 1990er-Jahren übernahm sie die Hauptrolle als Polizeipsychologin Dr. Silvia Jansen in sechs Filmen der ARD-Reihe „Polizeiruf 110“. Im Kino war Gaby Dohm unter anderem in „Die fromme Helene“ (1965), „Als Mutter streikte“ (1974), „Das Schlangenei“ (1977), „Doktor Faustus“ (1982), „Late Show“ (1999) und „Rosenstraße“ (2003) zu sehen. Zudem spielte sie in der ZDF-Serie „Donauprinzessin“ die verwitwete Gräfin Verena Schönwald. Gaby Dohm war mehrfach in der ZDF-Reihe „Das Traumschiff“ zu sehen sowie von 2011
bis 2015 als Oberin Louise von Beilheim in der ARD-Serie „Um Himmels Willen“. Im Jahr 2019 erhielt Gaby Dohm den österreichischen Medienpreis Romy als beliebtester weiblicher Serienstar. Im selben Jahr ehrte sie die Jury des Bambi mit dem Ehrenpreis für ihr Lebenswerk. 2022 wurde sie mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.
Milan Peschel (Hans Günther Schnippering)
Milan Peschel, geboren 1968 in Ostberlin, begann seine Laufbahn als Theatertischler an der Deutschen Staatsoper und als Bühnentechniker an der Berliner Volksbühne unter der Intendanz von Frank Castorf. Noch heute tritt er dort als Schauspieler auf. Daneben ist er längst eine feste Größe in der deutschen Film- und Fernsehlandschaft geworden. Für Furore sorgte Milan Peschel gleich in seiner ersten Kinohauptrolle in Robert Thalheims Debütfilm „Netto“ (2005). Der Film lief im Rahmen der Berlinale und brachte Peschel in der Kategorie Bester Hauptdarsteller eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis ein. Es folgten Hauptrollen in Thomas Imbachs experimenteller Georg-Büchner-Adaption „Lenz“ (2006), in Pepe Planitzers lakonischem Berlinale-Beitrag „AlleAlle“ (2007), Hans Weingartners Mediensatire „Free Rainer – Dein Fernseher“ lügt (2007), die köstliche Darstellung eines Dorftrottels in Detlev Bucks Kinderfilm „Hände weg von Mississippi“ (2007) und ein Auftritt als Kommunarde Fritz Teufel in der Uschi-Obermaier-Filmbiografie „Das wilde Leben“ (2007). In Sebastian Schippers freier Adaption von Goethes „Wahlverwandtschaften“, „Mitte Ende August“ (2009), überzeugte Milan Peschel gemeinsam mit Marie Bäumer als Paar in einer Beziehungskrise. Weitere Kinofilme sind Matti Geschonnecks melancholisch-humorvolles DDR-Drama „Boxhagener Platz“ (2010), Oskar Roehlers viel diskutiertes Melodram „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ (2010), in dem Peschel den Schauspieler Werner Krauß verkörperte, die Komödie „Der ganz große Traum“ (2010), Detlev Bucks Komödie „Rubbeldiekatz“ (2011) und Matthias Schweighöfers Regiedebüt „What a Man“ (2011), gefolgt von Schweighöfers Komödie „Schlussmacher“ (2013), in der Milan Peschel die zweite Hauptrolle übernahm. Im Fernsehen war Peschel regelmäßiger Gast im „Tatort“, so auch in der aufsehenerregenden Episode „Weil sie böse sind“, in der er und Matthias Schweighöfer ein ungewöhnliches Verbrecherpaar spielten. Gemeinsam erhielten sie für diese Leistung den Hessischen Filmpreis. 2011 berührte und begeisterte Peschel auf dem Internationalen Filmfestival in Cannes mit seiner Tour-de-Force-Darstellung eines Krebspatienten in Andreas Dresens Familiendrama „Halt auf freier Strecke“. Der Film wurde mit dem Hauptpreis der Sektion
„Un certain Regard“ ausgezeichnet. Ferner gewann Milan Peschel für diese Leistung den Deutschen Filmpreis, den Bayerischen Filmpreis und den Preis der deutschen Filmkritik. Weitere Kinofilme sind „Die Abenteuer des Huck Finn“ (2012), „Nicht mein Tag“ (2014), „Vaterfreuden“ (2014), „Irre sind männlich“ (2014), „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ (2014) plus zwei Fortsetzungen (2015, 2016), „Bibi & Tina – Voll verhext“ (2014), „Der Nanny“ (2015), „Ich und Kaminski“ (2015), „Das kalte Herz“ (2016), „Männertag“ (2016), „Kundschafter des Friedens“ (2017), „Timm Thaler oder das verkaufte
Lachen“ (2017), „Der Hauptmann“ (2017), „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ (2018), „Jim Knopf und die wilde 13“ (2020), „Gundermann“ (2018), „Wuff – Folge dem Hund“ (2018), „Fünf Freunde und das Tal der Dinosaurier“ (2018), „TKKG“ (2019) und „Die Hochzeit“ (2020). 2016 spielte er die Rolle des Sam Hawkens in Philipp Stölzls „Winnetou“-Trilogie für RTL, 2019 war er im Fernsehdreiteiler „Preis der Freiheit“ als SED-Politiker Gerhard Schürer zu sehen. 2021 spielte er einen couragierten Bademeister in Marcus H. Rosenmüllers „Beckenrand Sheriff“. Zu den Projekten, an denen er seither mitwirkte, zählt die erfolgreiche Reihe „Die Schule der magischen Tiere“ sowie die Berlin-Komödie „Schwarze Schafe“ (2025).
HINTER DER KAMERA
Marcus H. Rosenmüller (Regie)
Marcus H. Rosenmüller wurde 1973 in Tegernsee geboren. Von 1995 bis 2002 studierte er an der Hochschule für Fernsehen und Film München, Abteilung Film und Fernsehspiel. Sein Kinofilm „Wer früher stirbt, ist länger tot“ (2006), zu dem er, zusammen mit Christian Lerch, auch das
Drehbuch schrieb, verschaffte ihm den Durchbruch. Ab 2006 entstand die erfolgreiche Tandern-Trilogie. Nach „Beste Zeit“ (2007) und „Beste Gegend“ (2008) wurde 2013 der abschließende Teil „Beste Chance“ in Oberbayern und Indien gedreht. Von 2006 bis 2014 konnte Rosenmüller etliche Kinofilme realisieren. Danach war er mit dem großen Sportlerepos „Trautmann“ (2018) mit David Kross in der Hauptrolle sowie dem Family-Entertainment-Vergnügen „Unheimlich perfekte Freunde“ (2019) in den Kinos vertreten. Zudem realisierte er den Dokumentarfilm „Dreiviertelblut – Weltraumtouristen“ (2020). Rosenmüller war Mitautor der letzten Regiearbeit von Joseph Vilsmaier, „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ (2021), u.a. mit Bully Herbig und Hape Kerkeling in den Hauptrollen. Zudem feierte Rosenmüllers erster Animationsfilm, „Rotzbub“ (2021), den er zusammen mit Santiago Lopez Jover realisierte, Weltpremiere. Ein Jahr später folgte schon die Komödie „Beckenrand Sheriff“ (2022) mit Milan Peschel in der Hauptrolle sowie die Arbeit an der Serie „Neue Geschichten vom Pumuckl“. Gegenwärtig läuft sein Kinofilm „Pumuckl und das große Missverständnis“ in den Kinos.
Dietmar Jacobs (Drehbuch)
Dietmar Jacobs gehört zu den meistgespielten Theaterautoren des Landes. Er studierte zunächst Germanistik und Romanistik in Köln. Bei Doris Dörrie, Felix Huby, Jürgen Wolff und anderen Dozenten der „Schreibschule Köln“ lernte er Mitte der 90er-Jahre das Drehbuchschreiben. 1996 erfand er die Sitcom „Das Amt“ mit Jochen Busse in der Hauptrolle und betreute alle sieben Staffeln der Serie als Hauptautor. Er schreibt regelmäßig für Fernsehformate wie „Mitternachtsspitzen“, „Extra 3“ und die „ZDF heute Show“. Für seine Mitarbeit an der Serie „Stromberg“ erhielt Dietmar Jacobs den Grimme-Preis. Außerdem war er als Drehbuchautor an den Serien „Pastewka“, „Dr. Psycho“, „Frau Temme sucht das Glück“, „Merz gegen Merz“
und „Mord mit Aussicht“ beteiligt. Als Hausautor des Düsseldorfer „Kom(m)ödchens“ wirkte er seit 1996 an fast allen Produktionen des Theaters mit. Dazu arbeitete er an zahleichen Solo-Stücken, u.a. gemeinsam mit Christian Ehring, Anna Schäfer, Jürgen Becker, Richard Rogler, Thomas Freitag und Jochen Busse. Sein Schwerpunkt sind aber Theaterstücke, u.a. „Das andalusische Mirakel“, „In jeder Beziehung“ (gemeinsam Lars Albaum), „Kardinalfehler“ und „Putsch – Anleitung zur Zerstörung einer Demokratie“ (gemeinsam mit Alistair Beaton), sowie die Komödie „Extrawurst“. Letztere schrieb er gemeinsam mit Moritz Netenjakob, wie auch das preisgekrönte Musical „Himmel und Kölle“ und das Theaterstück „Kalter weißer Mann“.
Moritz Netenjakob (Drehbuch)
Moritz Netenjakob begann seine Karriere in den 90er-Jahren als Autor für „Hurra Deutschland“ und die „Dirk Bach Show“, später auch für „Ladykracher“, „Anke“ und „Dr.Psycho“. Er war Chef-Autor von „Switch“ und „Die Wochenshow“. Für seine Mitarbeit an den Drehbüchern zur Serie „Stromberg“ erhielt er den Grimme-Preis. Seit 2006 tourt Netenjakob mit eigenen Bühnenprogrammen wie „Das Ufo parkt falsch“ durchs Land, ebenso als Duo mit Christoph Maria Herbst („Das ernsthafte Bemühen um Albernheit“). 2009 erschien im Verlag Kiepenheuer & Witsch sein erster Roman „Macho Man“, der es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Für die Verfilmung schrieb er das Drehbuch. Es folgten Romane wie „Der Boss“,
„Milchschaumschläger“ und „Der beste Papa der Welt“. Zusammen mit Dietmar Jacobs schrieb Moritz Netenjakob die Komödien „Extrawurst“ und „Kalter weißer Mann“ sowie das Köln-Musical „Himmel und Kölle“.
Robert Marciniak (Produzent)
Robert Marciniak studierte Betriebswirtschaftslehre an der FH Regensburg. Von 1994 bis 2002 war er für die Constantin Film tätig und in dieser Funktion u.a. für den erfolgreichen Börsengang sowie für die Finanzierung zahlreicher Kinofilme mitverantwortlich. Darüber hinaus war er CEO der Tochtergesellschaften ENGRAM Pictures GmbH und der Ratpack Filmproduktion GmbH der Constantin Film AG. Im November 2002 wurde Marciniak Geschäftsführer der die film GmbH und war dort auch als Produzent tätig. Seit Juli 2010 ist er Geschäftsführer und Gesellschafter sowie Produzent der Münchner Lieblingsfilm GmbH und hat über 30 Filme für das Kino und das Fernsehen produziert. Robert Marciniak ist Mitglied der Deutschen und der Europäischen Filmakademie und wurde mehrfach für den Deutschen Filmpreis nominiert. Im Jahr 2015 wurde sein Kinofilm „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ (2014) mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. 2019 erhielt er den Bayerischen Filmpreis für den besten Film für die internationale Koproduktion „Trautmann“ (2018), bei der Marcus H. Rosenmüller Regie führte.
Daniel Gottschalk (Bildgestaltung)
Viele Kino- und Fernsehproduktionen tragen die unverwechselbare Handschrift des Bildgestalters Daniel Gottschalk. Er studierte von 1995 bis 2000 an der Filmakademie Baden-Württemberg und begann mit Kurzfilmen. Zu seinen ersten Arbeiten gehörte der „REC Kassettenjungs/Kassettenmädchen“ von Marco Kreuzpaintner, mit dem er regelmäßig zusammenarbeitete, so auch beim Filmdrama „Ganz und gar“ (2003) und „Sommersturm“ (2004). Gottschalks Leistung beim Thriller „Trade – Willkommen in Amerika“ (2007), „Die vierte Macht“ (2012) und „Lauf, Junge, lauf!“ (2014) wurden jeweils für den Deutschen Filmpreis nominiert. Für den Horrorfilm „Home Sweet Home – Wo das Böse wohnt“ (2023) wurde Gottschalk mit dem Kamerapreis des Bayerischen Filmpreises ausgezeichnet. Weitere Titel in seiner Filmografie sind „Krabat“ (2008), „Coming In“ (2014), „Mechanic: Resurrection“ (2016), „Vier gegen die Bank“ (2016), Marcus H. Rosenmüllers „Trautmann“ (2018) sowie Karoline Herfurths Regiearbeiten „Sweethearts“ (2019), „Wunderschön“ (2022) und „Wunderschöner“ (2025).
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