„Großer Moment“: So ist die „Manifesta 16 Ruhr“ in Gelsenkirchen gestartet
Bei der „Manifesta 16 Ruhr“-Eröffnung verändert sich schon der Raum der St. Josef-Kirche. Mit einer beeindruckenden Performance feiern 200 Kinder den Auftakt.
Ganz in Blau eingehüllt präsentiert sich die Ückendorfer St. Josef-Kirche, außer Dienst gestellt und nun für den Auftakt der „Manifesta 16 Ruhr“ neu genutzt.
„Dies ist keine Kirche“ lautet der Untertitel, aber es ist natürlich eine: In und rund um die St. Josef-Kirche in Ückendorf wurde der Auftakt der „Manifesta 16 Ruhr“ bunt und laut gefeiert. Neben St. Josef stehen drei weitere außer Dienst gestellte Gotteshäuser als Spielorte der „Europäischen Nomadischen Biennale“ bis zum 4. Oktober zur Verfügung.
Still und angenehm kühl empfängt der eigentliche Kirchenraum am Sonntag (21. Juni) die Besucher, und ganz bewusst spielt er mit der Erscheinung. Die neogotischen und klassizistischen Elemente der Architektur verschwinden auf den ersten Blick unter einer alles bedeckenden blauen Plane, die von einem Gebläse in Form gehalten wird. Verantwortlich für die Gestaltung zeigt sich das spanische Künstler-Kollektiv Penique Productions. „Auch so komplett verhüllt ist sofort die Kirche erkennbar“, sagt Karla Koball vom Team der Manifesta-Öffentlichkeitsarbeit.
Die ab 1894 gebaute Kirche steht seit 1987 unter Denkmalschutz. Sie wurde nach Bombentreffern im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut. Im Mai 2023 feierte die katholische Ortsgemeinde hier die letzte Heilige Messe und St. Josef wurde außer Dienst gestellt.
200 Schüler zeigen erste große Performance der „Manifesta“ in Gelsenkirchen
Schon vor dem eigentlichen Auftakt zur Manifesta ist die Kirche unter der Woche als Treffpunkt nutzbar gewesen. Ein Basketballfeld hat den neuen Nutzen vorgegeben, „und die Kids aus der Nachbarschaft sind super gern gekommen, nachdem sie erst einmal die Scheu überwunden hatten, völlig ohne Hemmungen vor dem großen, christlichen Bauwerk.“ Auch ein Kreativmarkt gehörte zum „Warm Up“-Programm.
„How to carry a locust“ („Wie man eine Heuschrecke trägt“) hieß dann die erste Performance der Manifesta. In den vergangenen acht Monate haben die Künstlerin Havin Al-Sindy gemeinsam mit über 200 Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Erle und der Anne-Frank-Gesamtschule in Duisburg die Idee und die Umsetzung entwickelt. Die überdimensionale titelgebende Heuschrecke bekam praktisch im Schatten des Gebäudes ihren letzten Schliff, bevor sie von den Kindern auf den Kirchhof getragen wurde.
Beat-Boxing und kurdisches Liedgut
Hedwig Fijen, Direktorin der europäischen Biennale, umriss in ihrer Begrüßung kurz: „Die Idee der Kinder war, die Verfolgung, Vertreibung und auch die Selbstbehauptung, und damit einen Teil der Geschichte des kurdischen Volkes darzustellen. Wir können uns auf einen gemeinsamen, großen Moment freuen.“
Tatsächlich überraschten die Manifesta-Kreativen gleich mit ungewöhnlichen Klängen. Denn die tänzerischen Elemente der Kinder begleitete das Duo Barber-Palacios. Andriana Nikolova steuerte ihre Beat-Boxing-Klänge bei, im weiteren Verlauf wechselte die musikalische Begleitung zu kurdischen Liedern.
Künstlerin Havin Al-Sindy hatte während der gut 45 Minuten dauernden Performance sichtlich mit den Kindern gefiebert und konnte nach dem abschließenden Riesenbeifall und den Sprechchören ihrer Schützlinge sicherlich mehr als 200 Umarmungen erwidern.
In Gelsenkirchen lockt die Manifesta neben St. Josef, Ückendorfer Straße, auch nach St. Bonifatius, Cranger Straße, die Thomaskirche an der Surkampstraße und nach St. Anna an der Kapellenstraße. Näheres zu Inhalten und Programm unter https://manifesta16.org/de/. Direkt neben der St. Josef-Kirche ist auch das „Manifesta 16 Ruhr“-Büro an der Virchowstraße 2.

































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