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MANIFESTA 16 RUHR - Rita Krossa verbindet Nachbarschaft und Kunst

Text aufgrund des WAZ-Artikels vom 24.07.26: Kunst, Backstube, Hochschule: Neue Ideen für die Zukunft der Kirchen im RevierManifesta 16 im Ruhrgebiet: Wo Kunst und Nachbarschaft verschmelzen
Das Ruhrgebiet wird aktuell zum Schauplatz eines der spannendsten Kulturevents Europas: Die renommierte Wanderbiennale Manifesta 16 Ruhr feiert ihr 30-jähriges Bestehen direkt vor unserer Haustür. Das Besondere in diesem Jahr? Die Kunst zieht unter dem Titel „This is not a church“ in zwölf leerstehende oder entweihte Nachkriegskirchen in Bochum, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen ein. Der Eintritt ist komplett frei.
St. Bonifatius: Das Herz schlägt in Gelsenkirchen-Erle
Ein wunderbares Beispiel für das Konzept „Radikal Lokal“ ist die 1963 von Ernst von Rudloff erbaute, ehemalige Kirche St. Bonifatius in Gelsenkirchen-Erle. Hier wird Kunst nicht elitär hinter dicken Museumsmauern versteckt, sondern mitten im Alltag der Menschen verankert.
Vor der Kirche lädt der Ferdane Satır Teegarten zum Verweilen ein. Die Bepflanzungen und Skulpturen im Außenbereich sind eine direkte Hommage an die ersten Nutzgärten, die Gastarbeiter im Ruhrgebiet damals anlegten. Im Vorraum der Kirche entsteht durch die Hilfe der Besucher ein lebendiges, gemeinschaftliches Kunstwerk: Hier werden selbstgemischte Beutel mit getrockneten Teeblättern aufgehängt, die mit persönlichen Friedens- und Zukunftsbotschaften versehen sind. Auf einem der Zettel steht treffend: „Möge mein kleiner Enkel Anton in Frieden aufwachsen können.“
Rita Krossa: Die Brücke zwischen Kunst, Politik und Kultur-Leidenschaft
Dass dieses internationale Großevent so nahbar und herzlich wirkt, liegt vor allem an den engagierten Menschen vor Ort. Eine echte Schlüsselfigur in Gelsenkirchen-Erle ist Rita Krossa. Die SPD-Bezirksverordnete und gläubige Katholikin ist tief in der Region verwurzelt und verbindet die politische Arbeit im Stadtteil mit einer riesigen Portion Kultur-Enthusiasmus.
Wenn Rita Krossa die Besucher direkt am Eingang von St. Bonifatius empfängt, tut sie das als empathische Gastgeberin und Vermittlerin. Sie nimmt den Menschen die Berührungsängste vor moderner Kunst und schlägt die Brücke zwischen der internationalen Kulturwelt und der klassischen Ruhrpott-Mentalität. Als Insiderin fängt sie dabei auch die Wehmut auf, die viele Anwohner beim Anblick der leerstehenden Kirche spüren.
„Natürlich tut es mir ein bisschen weh, wenn Kirchen entweiht werden“, gesteht Rita Krossa offen. „Es geht ja nicht nur um die Bauten. Die Mauern bergen Erinnerungen: an die Zeit als Messdienerin, an die Feten im Pfarrheim, an den Zusammenhalt in der Gemeinde.“
Genau diesen Zusammenhalt möchte sie durch das Projekt wiederbeleben. Sie geht aktiv auf die Menschen ein und beantwortet mit der typischen Ruhrpott-Herzlichkeit alle Fragen. Dann führt sie Familien zu den Mitmach-Aktionen und erklärt geduldig, wie im Vorraum die Friedensbotschaften gestaltet werden.
Ihre Rolle bei der Manifesta ist für Rita Krossa eine Herzensangelegenheit, die perfekt zu ihrem sonstigen Leben passt. Im Revier ist sie nämlich längst keine Unbekannte mehr: Abseits der Politik besucht und organisiert sie zusammen mit ihrem Ehemann, dem Eventfotografen Reinhold Krossa, regelmäßig Kulturveranstaltungen. Ihre große Leidenschaft gilt dabei dem venezianischen Karneval, Steampunk und dem Mittelalter. Diese kreative Energie bringt sie nun voll in die Manifesta ein.
Wie geht es weiter im Revier?
Die Reaktionen der Menschen zeigen, wie tief das Thema die Region bewegt. Ein Nachbar brachte es beim gemeinsamen Teetrinken im neuen Garten auf den Punkt: „Wat nach Oktober kommt – dat würd' mich mal interessieren.“
Bis zum 4. Oktober 2026 zeigt die Manifesta 16 Ruhr zumindest schon einmal eindrucksvoll, wie gesellschaftlicher Wandel, Denkmalschutz und die Rettung öffentlicher Räume durch Kunst gelingen können. Ein Besuch in Gelsenkirchen-Erle lohnt sich definitiv – zumindest für ein gutes Gespräch mit Rita Krossa.

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